25.8.2022

Was haben X-Men und Azubis gemeinsam?

von
Josip

Während in den letzten Jahren die Kurve der Azubis immer weiter sinkt, steigt auf der anderen Seite die Kurve der Studierenden. Schon vor der Corona-Pandemie zeichnete sich dieser Trend ab. Es bleiben einfach zu viele Auszubildendenstellen frei, weil es zu wenige Bewerber*innen gibt. Jahrelang hat man uns für unser duales Ausbildungssystem in Deutschland bewundert und jetzt scheint es im eigenen Land nicht mehr gefragt zu sein. Was ist los da draußen?

Schlägt man in den letzten Jahren die Zeitungen in den Sommermonaten auf, lauten die Schlagzeilen alle ähnlich: „So wenige Auszubildende wie noch nie“, „Ausbildungsstätten schlagen Alarm“ oder „Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt“. Auch wenn ich die Lage in der IT-Branche noch nicht so extrem empfinde und in einer Auswertung des Statistischen Bundesamts 2020 die Ausbildung zum Fachinformatiker noch auf Platz 6 der häufigsten Berufsausbildung liegt, rütteln mich diese Schlagzeilen doch wach. Denn meines Erachtens ist die rückläufige Nachfrage nach Ausbildungsplätzen vor allem durch einen allgemeinen gesellschaftlichen Wandel begründet. Denn es herrscht die Devise: Nur wer studiert, bringt es zu etwas.

Auch wenn immer mehr Schüler*innen (Fach-)Abitur machen und damit die (Fach-)Hochschulreife erlangen, heißt es noch lange nicht, dass dann der logische Weg zur Fachhochschule oder Uni gehen muss. An den Schulen wird hier aus meiner Sicht viel zu sehr nur die eine Richtung aufgezeigt. Dass es aber neben dem Studium auch noch viele andere Wege gibt, wird höchstens Mal am Rand erwähnt. Gerade in der Oberstufe gibt es viel zu wenig Möglichkeiten für die Schüler*innen, praktische Erfahrungen zu sammeln. Praktika sind häufig lediglich in der Mittelstufe Bestandteil des Lehrplans. Etwas praxisbezogener sind nur die Fachoberschulen, bei denen meistens ein Jahrespraktikum absolviert wird. Vielen Schüler*innen ist nach dem(Fach-)Abitur aber häufig noch nicht klar, welchen beruflichen Weg sie gehen wollen. Viele machen deshalb erst mal ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder schreiben sich an der Uni ein. Damit rückt der Eintritt ins Berufsleben immer weiter nach hinten. Mit einem erhöhten praxisnahen Teil im Bereich der Berufsfindung vor allem in der Oberstufe, könnte man m. E. hier die Jugendlichen schneller und zielgerichteter ins Berufsleben bringen. In Zeiten des Fachkräftemangels sicherlich keine schlechte Idee.

Ich möchte an dieser Stelle auch nicht das Studium an sich per se verteufeln. Mir geht es vielmehr darum, das scheinbar vorhandene Einbahnstraßendenken nach dem Abitur zu hinterfragen. Und ich finde auch, dass es in Deutschland ja bereits eine gute Kombination aus Ausbildung und Studium in Form des dualen Studiums gibt. An diesem System partizipieren m. E. die Studierenden und Unternehmen gleichermaßen. Ein Modell, über dessen Einführung ich auch schon länger bei juunit nachdenke.

In Bezug auf das Einbahnstraßendenken sehe ich aber nicht nur die Schule in der Pflicht, das Thema differenzierter zu behandeln und die unterschiedlichen beruflichen Einstiegsmöglichkeiten aufzuzeigen. Auch das familiäre Umfeld und der Freundeskreis spielen hier eine große Rolle. Als Eltern möchte man seinen Kindern immer die bestmöglichen Bildungs- und Entwicklungschancen ermöglichen. Dazu gehört dann aber auch zu akzeptieren, dass ein Studium zwar vielleicht grundsätzlich möglich, aber nicht immer der beste Weg ist. Und nur weil man nicht direkt nach dem (Fach-)Abitur studiert, heißt es ja noch lange nicht, dass diese Möglichkeit für immer verwehrt bleibt. Auch nach einer Ausbildung und auch noch nach einigen Jahren Berufserfahrung kann man diesen Schritt immer noch einschlagen. Auch wenn es schwerfällt: Jedes Kind muss am Ende seinen eigenen Weg finden. Da kann man sich als Elternteil noch so sehr bemühen. Am Ende müssen die Kinder ihren eigenen Mann oder ihre eigene Frau im Job stehen.

Auch als Unternehmer sehe ich es als meine Pflicht, die Ausbildung in meinem Unternehmen so attraktiv wie möglich zu machen. Denn hier habe ich es in vielen Punkten selbst in der Hand, für gute Arbeitsbedingungen und -konditionen zu sorgen. Und natürlich auch aufzuzeigen, welche (Weiter-)Entwicklungsmöglichkeiten es nach der Ausbildung gibt. Vielleicht bedarf es auch einer grundlegenden Reform des Ausbildungssystems, das ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Ein Ausbildungssystem, das besser auf die aktuelle Lebenswirklichkeit und auch auf die Bedürfnisse der heutigen Generation angepasst ist. Ein System, das die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mehr mitnimmt und auch partizipieren lässt. Ihnen mehr Identifikationsfläche bietet. Gerade heutzutage geht es auch viel darum, die Auszubildenden in ihrer Entscheidung eine Ausbildung zu machen, zu stärken. Denn gerade im Austausch mit Gleichaltrigen ist es manchen sogar peinlich zu sagen, dass sie eine Ausbildung machen. Erschreckend, wenn es heute scheinbar Mut braucht, sich als Außenseiter zu positionieren, der nicht studiert, sondern eine Ausbildung macht. Aber mir persönlich waren auch schon immer die Antihelden und Außenseiter wie X-Men lieber als die strahlenden und perfekt wirkenden anderen Superhelden. Aber mal ehrlich: Was gibt es gerade in jungen Jahren besseres, als finanziell unabhängig zu sein und sein eigenes Ding zu machen und nach drei Jahren oder ggf. noch schneller eine Ausbildung und den nächsten Abschluss in der Tasche zu haben? Bei einem Studium braucht man da einen deutlich längeren Atem, bis man diesen Punkt erreicht hat.

Mein Appell an alle Schüler*innen da draußen: Seid mutig und macht eine Ausbildung!

Jetzt kostenloses Infogespräch buchenJetzt weitere Blogartikel lesen!Zu den Stromspartipps von Windows
Wenn Sie auf "Akzeptieren" klicken, stimmen Sie der Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät zu, um die Navigation auf der Website zu verbessern, die Nutzung der Website zu analysieren und unsere Marketingmaßnahmen zu unterstützen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.